Geschichte
Bahnhofsmissionen entstanden zunächst im ausgehenden 19. Jahrhundert, um auf die Notsituation von Mädchen und jungen Frauen zu reagieren. Diese suchten ihr wirtschaftliches Heil als Arbeiterinnen, Verkäuferinnen oder Dienstmädchen in den aufblühenden Städten, wo viele bereits bei ihrer Ankunft in die Hände unseriöser Arbeitsvermittler gerieten, welche die Mädchen schlimmstenfalls zur Prostitution brachten. Andere kamen in ungesicherte Arbeitsverhältnisse und wurden von ihren Dienstgebern ausgenutzt.
Hier setzte 1894 die Arbeit der ersten evangelischen Bahnhofsmission in Berlin an. Bereits 1897 wurde ihre erste „katholische Schwester“ in München aus der Taufe gehoben. Beide dienten als Vorbilder für weitere Gründungen, die sich 1910 in der Konferenz für kirchliche Bahnhofsmissionen organisierten.
Mit Beginn des ersten Weltkrieges veränderten sich die Aufgabenstellungen für die Arbeit am Bahnhof, z.B. mit der Betreuung von Verwundeten oder Flüchtlingen.
Mit der Gründung des ersten Bahnhofsdienstes 1926 fand die Bahnhofsmission ihre Entsprechung für die Belange junger Männer am Bahnhof.
Eingeschränkt wurde die Tätigkeit der Bahnhofsmissionen erst mit dem aufkommenden Nationalsozialismus, die schließlich dazu führte, dass die damals 350 Einrichtungen an den deutschen Bahnhöfen geschlossen wurden. Die Arbeit wurde teilweise von der NS – Frauenschaft weitergeführt, bis die Bahnhofsmissionen unmittelbar nach Beendigung des Krieges ihre Arbeit wieder aufnahmen. In diese Zeit fallen z.B. die Gründungen in Kehl oder Offenburg, wo sich engagierte Frauen der Belange von Flüchtlingen und Kriegsheimkehrern annahmen.
Stets passte die Bahnhofsmission ihr Angebot an die dringenden Nöte der Zeit an, etwa in den 60er Jahren die Betreuung der Gastarbeiter oder in den 90er Jahren ihre Lobbyarbeit für die Aussteiger von Drückerkolonnen.
Seit 1975 treten die Bahnhofsmissionen unter ihrem ökumenischen Logo gemeinsam in der Öffentlichkeit auf, 2004 einigte sich die Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission in Deutschland auf ein Leitbild der Bahnhofsmission in Deutschland und auf einheitliche Leistungsstandards.
Darüber hinaus sind die „Leitlinien für die Arbeit der Bahnhofsmissionen bei IN VIA“ handlungsweisend für die Bahnhofsmissionen in der Erzdiözese Freiburg. Diese können bei IN VIA Deutschland, Karlstraße 40, 79104 Freiburg angefordert werden.
