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Vortrag von Dr. Gunter Schmidt im Audimax der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

Ganz gelassen können die Kongressteilnehmer*innen nun auf das Fremde schauen, das ihnen in der Beratung oder auch in der eigenen Paarbeziehung begegnet, denn – so ein Fazit des 5. Kongresses zu Partnerschaft und Ehe, der am 06. / 07. Juli 2017  in der Katholischen Akademie in Freiburg stattfand – die Fremdheit ist erklärbar, nachvollziehbar und zum großen Teil auch erwünscht.

In interdisziplinären Vorträgen und thematischen Arbeitsgruppen näherten sich die Teilnehmenden – die vorwiegend in  therapeutischen oder beratenden, aber auch pädagogischen  Berufen tätig sind – dem Thema Fremdheit in der Paarbeziehung.  

Mit seinem Vortrag zu Beginn des Kongresses machte Prof. Dr. Rudolf Stichweh deutlich, dass sich aus der soziologischen Perspektive ein gesellschaftlicher Wandel von einer asymmetrischen zu einer symmetrischen Fremdheit bei der Neugründung einer Familie vollzieht und Menschen nicht mehr in Gruppen, sondern in Netzwerken leben.

In seinem Vortrag im voll besetzten Audimax der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg  am Freitagabend  zeigte  Dr. Gunther Schmidt, wie das Erleben von Fremdheit  zur Bereicherung und einer Chance für eine gelingende Beziehung  werden kann.  

Er  vermittelte  die Erkenntnis,  dass man sich in Paarbeziehungen sowieso nie „richtig“ verstehen kann, da sich die Einzelnen  mit ihrer „multiplen“ Persönlichkeit – dem Verein ihrer  Ichs – je nach Thema, Situation und Bedürfnis anders begegnen. Indem wir auf das Fremde mit Neugier blicken, wird es zur Chance. Wir dürfen hoffen, dass die Neugier bleibt.

Partnerschaft und Ehe sind kein Fertigprodukt, sondern ein dynamischer Gestaltungsprozess, eine Zeitzusage, zu der Fremdheitserfahrungen dazu gehören, so die Botschaft von Prof Dr. Dr. Jochen Sautermeister aus theologischer Sicht. Das Sakrament  sieht er als eine verwandelnde Kraft an, in dem man sich gegenseitig zusagt, gemeinsam den Weg (der Veränderung) zu gehen. Das Ehesakrament sei insofern als Ressource und Versöhnungspotential zu begreifen, dem die bedingungslose Heilszusage Gottes als Voraussetzung zugrunde liegt.

Dass das Leben im arabischen Raum als Basar verstanden wird, haben Naser El Bardanohi und Dr. Kathrin Gratz sehr eindrucksvoll vermittelt. Sie haben den Kongressteilnehmer*innen den Blick für eine Kultur geweitet, die bei uns fremd ist. Spielerisch hielten sie den Anwesenden den Spiegel vor und erzeugten  so Verständnis für manch schwierige Situation in der Begegnung mit Menschen aus dem arabischen Raum.

Der Kongress stieß sowohl bei den Teilnehmenden als auch bei den veranstaltenden Institutionen durchweg auf positive Resonanz.

Veranstaltet wurde der Kongress von der Katholischen Akademie, Diözesanstelle Ehe-, Familien- und Lebensberatung, der Diözesanen Arbeitsgemeinschaft Beratung (in der IN VIA Mitglied ist) und dem Familienreferat im Erzbischöflichen Seelsorgeamt.